Presse

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„MZ“ vom 06.04.2016
Fahrt nach Goslar. Eigentlich wollten die Vorstandsmitglieder des Partnerschaftsvereins aus Bitterfeld und Marl in Goslar das Bitterfelder Hafenfest (16. bis 19. Juni) vorbereiten. Das erschreckende Ergebnis der Landtagswahlen beherrschte allerdings die Diskussion der Teilnehmer. Wie berichtet, erreichte die AfD in Bitterfeld 24,2 Prozent der Stimmen. Eine Marler Delegation wird am 16. Juni zum Hafenfest nach Bitterfeld fahren. Es sind noch einige Plätze frei. Wer Interesse hat, meldet sich bei Hans Schipper (Tel.: 22188) oder Manfred Degen (Tel.: 12258) an.


 

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Mitteldeutsche Zeitung vom 18.03.2016
Bitterfeld - Bitterfeld-Wolfens Oberbürgermeisterin Petra Wust will die Stadt wieder ins richtige Licht rücken.
Wer sich dieser Tage mit Petra Wust unterhält, erlebt Bitterfeld-Wolfens parteilose Oberbürgermeisterin aufgewühlt wie selten. Nachdem die AfD im Wahlkreis 29, also in Bitterfeld, bei der Landtagswahl vom Sonntag den meisten Zuspruch in Sachsen-Anhalt bekommen hat, sind zahlreiche deutsche und europäische Fernsehteams in die Stadt gereist, um sich auf Ursachensuche für das starke Abschneiden der rechtskonservativen Partei zu begeben. Darunter auch Spiegel-Online-Reporter.
Beitrag sei "einseitig und tendenziös"
Sie hatten sich am Montagmittag in Bitterfeld umgehört und ihre Eindrücke in einem Video mit dem Namen „Wo der Frust wohnt“ zusammengefasst. Wie ein Virus hat sich der Beitrag mit sehr drastischen Äußerungen von Passanten über Flüchtlinge im Internet verbreitet. Allein bei Facebook wurde er knapp vier Millionen Mal aufgerufen.
Für den Film wurde aber offensichtlich nur das eine Drittel, das die AfD gewählt hat, befragt. Die anderen zwei Drittel der Wähler kommen nicht zu Wort“, moniert Petra Wust und bezeichnet den knapp drei Minuten langen Film als „einseitig und tendenziös“. Und: „Man wollte Bitterfeld ins falsche Licht rücken

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.“„MZ“ vom 17.03.2016
Bitterfelder AfD-Erfolg überrascht nicht. Wahlergebnis soll aber an der Städtepartnerschaft nichts ändern / Parallelen zu Marl erkennbar von Julia Grunschel
MARL. Marls Partnerstadt Bitterfeld-Wolfen hat im Moment deutschlandweit wieder eine fragwürdige Berühmtheit. In der Stadt, die wegen ihrer Chemieanlagen und dem Braunkohletagebau nach der Wende als die „dreckigste Stadt“ Deutschlands galt, hat die Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landtagswahl zwei Direktmandate geholt. Mit 33,4 Prozent holte Volker Olenicak sogar die meisten Erststimmen für seine Partei in ganz Sachsen-Anhalt. Im sozialen Netzwerk Facebook sorgt das Ergebnis auch unter vielen Marlern für Gesprächsstoff, ein Teil hinterfragt sogar jetzt die Partnerschaft.

Bürgermeister Werner Arndt hat bereits mit dem Bitterfelder Ortsbürgermeister Joachim Gülland (Linke) telefoniert. „Er sagt, die Stimmung sei komisch. Am Montag waren viele Medien vor Ort. Bitterfeld sehen viele jetzt in einer rechten Ecke.“ Der Erfolg der AfD habe laut Joachim Gülland viele Gründe. „Die AfD sitzt im Rat, sie soll da bisher aber unauffällig gewesen sein. Jetzt im Landeswahlkampf hat man wohl massiv auf die Neiddebatte im Zusammenhang mit Flüchtlingen gesetzt“, gibt Werner Arndt wieder. Joachim Gülland habe betont, dass es in Bitterfeld aber kaum Probleme mit den ca. 400 Flüchtlingen gäbe. „Viele Ehrenamtliche engagieren sich. Gleichwohl sei immer wieder zu hören: ‚Für die wird alles getan‘“, fasst Arndt das Telefonat zusammen. Dass die Wahlbeteiligung in Bitterfeld von knapp 48 auf 62 Prozent angestiegen ist, haben die beiden Bürgermeister auch thematisiert. „Man muss vorwegschicken, dass die Parteienbindung im Osten nicht so stark ist wie im Westen. Die AfD ist von Wechslern, Rechten und von ganz vielen Protestwählern gewählt worden, die früher ganz einfach nicht zur Wahl gegangen sind“, so Arndt.
Ob in Marl zum jetzigen Zeitpunkt mit ähnlichem Ergebnis gewählt worden wäre, kann der Bürgermeister natürlich nicht sagen. „Ich fürchte, dass uns das in NRW aber auch noch bevor steht. Die Stimmen, die sich gegen die aktuelle Politik wenden, werden immer lauter“, sagt Werner Arndt und erzählt aus seinem Alltag. „Bei vielen Terminen, in Telefonaten und auf Facebook höre ich immer wieder die Frage: ,Schaffen wir das wirklich?‘“ Erst in der vergangenen Woche – und das sei kein Einzelfall – habe er mit einer Frau über Angebote für Flüchtlinge diskutiert. „Der Frau geht es finanziell nicht schlecht, aber sie ist vielleicht von Arbeitslosigkeit bedroht. Auch sie wollte wissen, ,warum für Flüchtlinge alles gemacht wird‘“, erzählt Werner Arndt. Die Frau sähe ihre Zukunft düster. Bekomme sie Hartz IV, verlöre sie eventuell ihre Wohnung und fände sich im Jobcenter mit überlasteten Mitarbeitern wieder. „Stimmen wie diese höre ich oft. Gerade von Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie fühlen sich benachteiligt und wollen wissen, wie viele Flüchtlinge noch kommen“, sagt Werner Arndt. Und das könne er nicht beantworten. „Ich wünsche mir auch eine entschlossenere Außenpolitik, die zur Einigung im Nahen Osten beiträgt. Aber klar ist, so lange es Bürgerkriege gibt, werden Menschen zu uns flüchten.“
Auf Marls Städtepartnerschaft mit Bitterfeld habe das Wahlergebnis keine Auswirkung. Das unterstreicht er: „Die Freundschaft ist zwischen Menschen geschlossen. Und diese Menschen sind nicht alle rechtsradikal. Wir können den Bitterfeldern sagen, dass uns die Wahl enttäuscht hat. Wir sind ja auch nicht damit einverstanden, was unter Orbán in Ungarn passiert oder dass die Pressefreiheit in der Türkei nicht so gilt wie bei uns. Unsere Partner können uns auch sagen, was sie stört. Eine Freundschaft muss das aushalten.“ Ähnlich sieht das Manfred Degen, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Marl-Bitterfeld. „Das Ergebnis ist schon ein dicker Hund, aber an der Zusammenarbeit mit unseren Bitterfelder Freunden wird sich nichts ändern.“ Um sich selbst ein Bild zu machen, hat der 76-Jährige gestern viel telefoniert. Am Freitag ist die Wahl Thema in einem persönlichen Gespräch. Die Vorstände treffen sich: „Wir haben ein lange verabredetes Treffen in Goslar.“ siehe auch Leserbrief „Gewaltiger Nachholbedarf an politischer Bildung“ auf Seite 7

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„MZ“ vom 17.03.2016 - Gewaltiger Nachholbedarf an politischer Bildung
Leserbrief von Helmut Brotzki Betr.: Abschneiden der Afd in Marls Partnerstadt Bitterfeld und ein Interview mit Bitterfelder Bürgern, erschienen im Internet bei spiegel-online
Mich persönlich hat das Interview ziemlich aufgeregt. Ich wohne nun seit 1989 in Marl und beziehe seitdem die Marler Zeitung. Noch nie habe ich einen Leserbrief verfasst. Aber das war ein unwillkommener, aber stark motivierender Anlass, schreibt unser Leser an den Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Marl-Bitterfeld. Lieber Herr Manfred Degen, mit der Schilderung der langjährigen Partnerschaft Marl- Bitterfeld geben Sie auf der Internetseite des Städtepartnerschaftsvereins einen guten Einblick in die langjährig gewachsene Verbindung zweier Städte, die sich vor allem über ihre industriellen Wurzeln verbunden fühlen. Die Stadt Bitterfeld wird auf eben diesen Seiten in höchsten Tönen gelobt. Es wird das Bild einer intakten, kleinen Gemeinde gezeichnet. Nun muss ich als Marler Bürger leider zur Kenntnis nehmen, dass in dieser Gemeinde bei den Landtagswahlen die AfD mit 31 Prozent eines der stärksten Ergebnisse erzielt hat. Geradezu erbärmlich finde ich die Aussagen Bitterfelder Bürger in einem Interview zu dem Thema AfD. Es scheint mir doch, dass trotz dieser langjährigen Städtepartnerschaft und der Zugehörigkeit Bitterfelds zu unserem freiheitlich demokratischen Staatswesen ein gewaltiger Nachholbedarf an politischer Bildung und der Vermittlung humanitärer Grundwerte besteht. Für die Partnerschaft mit dieser Stadt kann ich mich nur schämen. Das von mir erwähnte Interview finden Sie hier: https://www.facebook.com/spiegelonline/videos/ 10154018270819869/?fref=nf
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Mitteldeutsche Zeiutung vom 15.03.2016
Bitterfeld - Im Wahlkreis Bitterfeld erreichte die AfD 31,9 Prozent bei den Landtagswahlen und damit das beste Parteiergebnis landesweit.
Nach dem starken Abschneiden der AfD im Wahlkreis Bitterfeld berichten mehrere Medien aus dem In- und Ausland über den hiesigen Erfolg der Rechtspopulisten. Dazu gehört auch Spiegel Online, das ein Reporterteam in die Stadt schickte und Einwohner befragen ließ. In dem entstandenen Video äußern sich die Menschen fremdenfeindlich, haben Sicherheitsängste und sprechen von Perspektivlosigkeit. Der Film will so den AfD-Erfolg erklären.
Die Stimmen in der Umfrage nagen am Ruf der Stadt. Spiegel Online titelte kurzzeitig: „Die schmutzigste Stadt Deutschlands“. Doch stimmt das Bild? Die MZ will wissen: Wie tickt Bitterfeld? Und hat am Dienstag ebenfalls Menschen in Bitterfeld zum Wahlausgang befragt.
Das Ergebnis fiel facettenreicher aus: Fremdenfeindlich äußert sich kaum jemand. Die Mehrheit der getroffenen redebereiten Personen zeigt sich eher erschrocken über das Wahlergebnis: „Dass viele Menschen Angst haben wegen der Flüchtlinge, kann man noch nachvollziehen. Aber muss man deswegen eine Partei wählen, die kein Konzept hat, sondern vor allem große Sprüche bringt?“, bemerkt der 18-jährige Jan Seifert aus Rösa. „Traurig“ findet den Wahlausgang die 42-jährige Marion Mosert. „Ich denke, die AfD-Wähler wissen nicht so recht, was sie gewählt haben.“ Nun werde es schwierig, eine neue Regierung zu bilden.
Die Bitterfelderin Christa Bartsch spricht von der „Naivität“ vieler Wähler: „Ich begreife es nicht. Wenn ich sehe, wie die Menschen der AfD hinterherlaufen, dann fasse ich mir an den Kopf“, sagt die 68-Jährige. Sie vermutet, dass viele Angst haben vor einem Jobverlust wegen der Flüchtlinge.
Ergebnis macht Angst
Ein anderer Bitterfelder fühlt sich hingegen beim Flüchtlingsthema übergangen. „Die Leute haben aus Gnatz die AfD gewählt. In der Stadt rennen mittlerweile mehr ausländische Kinder rum als Deutsche. Das Geld für die Flüchtlinge hätte man auch für deutsche Kinder ausgeben können.“ Er will aber seinen Namen ebenso wenig nennen wie ein anderer Passant.
Diesem sind 31,9 Prozent für die AfD im Wahlkreis 29 fast noch zu wenig. „Es ist eine Frechheit, was sich Frau Merkel traut“, sagt der Bitterfelder. Er selbst habe in seinem Haus nur Ärger mit den Flüchtlingen. Nun setzt er große Stücke auf die neue Partei: „Die AfD muss jetzt zeigen, was sie kann.“